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Therapeutisches Reiten - Equestro 2004

Therapeutisches Reiten oder mit Pferden heilen
Laureline Buhler & Heidi Paliz

Was ist eigentlich Therapeutisches Reiten?

Das Wort Therapie stammt aus dem Griechischen und bedeutest "Behandlung". Therapeutisches Reiten oder Hippotherapie iste eine mit und auf dem Pferd durchgeführte alternative, medizinische Therapieform. Die Nutzung der Bewegungen des Pferderückens im dreidimensionalen Raum brachte erstaunliche Erfolge in der Bejandlung verschiedener körperlicher und mentaler Erkrankungen und Behinderungen (Bewegung nach vorne, hinten, oben und unten sowie nach links und nach rechts). Die Bewegung des aussochliesslich im Schritt gehenden Pferdes führt zur Stimulierung unad Verbesserung des Gleichgewichts.

Zum besseren Verständnis ihrer Funktionsweiser hilft folgende Analyse der Bewegungen eines Pferdes: Das Pferd überträgt pro Minute 110 multidimensionalle Schwingungsimpulse auf den Reiter. Das Erstaunliche ist, dass diese Bewegungen genau jenen gleichen, die ein Mensch beim aufrechten Gehen ausführt. Eine solche Ganzkörper-Stimulierung aller Muskeln und Gelenke einschliesslich des Gehirns lässt sich durch keine andere motrosische Behandlung erzielen.

Während sich ein Bereich der Hippotherapie den Entiwicklungs- und Kommunikationsstörungen unter dem Gesichtspunkt der reinen Persönlichkeitsentfaultung zuwendet, befassen sich andere Hippotherapeuten mit körperlichen Behinderungen. Heute bezieht die Hippotherapie auch Personen mit lern-, Verhaltens- und Sozialintegrationsstörungen ein, etwa Drogenabhängige oder straftällige Personen.

Die Therapie kann zahlreiche so überraschende Resultate vorweisen, dass sie bisweilen an ein Wunder zu grenzen scheinen. So shcliessen autistische Kinder, die sonst keine Gefühlsregungen zeigen, plötzlich ein Pferd in ihre Arme. Hyperaktive Jugendiche können sich entspannen und erzielen bessere Schulergebnisse. Kranke, denen die Ärzte diagnostizierten, sie könnten niemals wieder das Sprechen oder Laufen erlernen, sprachen auf dem Pferderücken die ersten Worte, laufen und besuchen sogar die Schule.

Das Besondere an der Therapieforms ist, dass sie das Individuum in der vielschichtigen Gesamtheit seines Wesens erfasst, weil sie es auf physischer, sensorischer und psychologischer Ebene anspricht.

Der Umgang mit Pferden mobilisiert beim Menschen die eigenen Fáhigkeiten zum Aufbau von Beziehungen. Das Pferd kann eigene Emotionen übertragen und jene der anderen empfangen und darin schwingen. Im Umgang mit dem Pferd entwickelt der Mensch nicht nur seine relationellen, emotionellen und körperlichen Fähigkeiten weiter, er erveitert auch seinen psychischen und symbolischen Raum. Die enge Beziehung, die der Reiter zu seinem Pferd aufbault, ist weniger intellektueller als gefühlsmässiger Natur. Sie nutzt den Tastsinn, existiert im Spüren von Bewegung. Um mit dem Pferd zu kommunizieren, ist die menschliche Sprace nicht erforderlich. Das erklärt den Erfolg der Therapie bei Personen mit kommunikationsproblemen.

Hinzu kommt, das Pferde behinderte weder taxieren noch abwerten. Sie behandeln sie wie jeden anderen Menschen. Nichts in ihrem Blick oder ihrer Haltung deutet auf Ablehnung, Abscheu oder Unverständnis. Pferde akzeptieren behinderte Personen so wie sie sind, genau wie nicht behinderte Personen. Sie fällen kein Urteil.

Die Behinderung, die im Alltag so oft spürbar ist und in den Blicken der anderen abzulesen sind, löst sich beim Reiten oft geradezu auf.

Für Therapiezwecke geschulte Pferde haben eine gefestigte Persönlichkeit. Sie dürfen nicht furchtsam und müssen repektvoll und sensibel sein. In der Schweiz verwenden Therapeuten daher gerne Freiberger.

Blick surück

Die Idee des Therapeutischen Reitens ist nicht neu. Die heilende Wirkung des Reiten wurde schon vor langer Zeit von Wissenschaftlern und Ärzten beobachtet. Bereits im antiken Griechenland nuzte man Pferde zu therapeutischen Zwecken. Der griechische Arzt Hippokrates berichter vom "beruhigenden Rhythmus" des Reitens. Im 16. Jahrhundert war Reiten als Berunhigungstherapie bekannt.

Kaiser Tiberius wurde geraten zu reiten, weil er "aussergowöhnlich magere Oberschenkel" hatte. Siene Behinderung ging daraufhin zurück.

Im 17. Jahrhundert wurde der Hofarzt Maria-Therasias, Gerhard van Sweften, auf die wohltuende Wirkung dess Reitens aufmerksam. "Reiten", so van Swieften, "ist einerseits eine aktive körperliche Ertüchtigung und andererseits wird der menschliche körper von Pferd in der Art bewegt, dass dies einer Massage gleichkommt."

Mit dem Zweiten Weltkrieg und der gossen Anzahl psychisch oder physisch wersehrter Personen erfuhr das Therapeutische Reiten einen grossen Ausfschwung; insbesondere in Deutschland und Grossbritannien, aber auch in der Schweiz.

Das Beispiel Equador


Im Jahr 1989 führte die Múnchenerin Heidi Paliz das Therapeutische Reiten in Equador ein, wo sie seit 25 Jahren lebt. Nach einem Autounfall drohte sie für immer geláhmt zu seis und begann, sich mit dem Thema "Behinderte" und ihren Problemen auseinanderzusetzen. Sie erfuhr von der beruhigenden Wirkung des Reitens und machte eine Ausbidung in Therapeutischem Rieten bei der "Riding for the Disabled Association" in London (RDA).

Im Jahr 1995 gründete sie eine gemeinnützige private Organisation zur sozialen Förderung von Kindern und Behinderten in diesem von vielfältigsten Problemen geprägten Land. Es waren die Anfängen der Stiftung AM-EN, "Amor y Energía" "weil die Liebe die mächtigste Energie ist und alles heilen kann".

Sechzehn Pferde gehören der Stiftung AM-EN in Quito (Equador). Jeden Monat werden von ihr ungefähr 400 Kinder behandelt. Japan stiftete die Reithalle, in der mindestens fünf Pferde gleichzeitig gehen, jedes mit einer Führerperson, einem Patienten und je einem freiwilligen helfer auf jeder Seite.

Heidi schildert den Alltag in der Stiftung und berichtet vom Werdegang einiger ihrer Schützlinge:

Die kleine Maria Echeveria setzt sich lächlnd auf eine Stute, die ein ehrenamtlich tätiger AM-EN Guide durch die Reitbahn führt. DIe Helfer an ihrer Seite ermutigen sie, ihre kleinen Arme so hoch wie möglich über den Kopf zu strecken und weitere Übungen zu mache. Maria leidet an einer Cerebralparese und ist einseitig gelähmt. Bisher war sie immer "abwesend". Vo sechs Monaten meldete ihre Mutter sie zur Teitherapie an. Seither hat sich Marias Gesundheitszustand bedeutend verbessert. Sie bewegt nun ihren Arm, ballt die Hand zur Faust und öffnet sie wieder und, noch wichtiger, sie beginnt, ihre Umgebung wahrzunehmen.

Rosa, ein 15-jähriges Mädchen aus dem Andendorf Cuenca könnte eine junge Reiterin sein, die sich auf ihr erstes Turnier vorbereitet, so aufrecht sitzt sie auf ihrem Pferd, das sie voller Vertrauen mit beiden Händen lenkt. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man, dass ihre Beine oberhalb des knies amputiert sind. Sie verlor sie im Alter von zwei Wochen. Das Reiten gibt ihr das erforderliche Gleichgewicht, um sich sicher auf den Prothesen fortzubeweben. Es verleiht ihr darüber hinaus aber auch das erfordeliche Selbstvertrauen für ein Leben als bejindertes und vollwetiges Gesellschaftsmitglied. Seit sie reitet, hat sich Rosas Leben frundlegend gewandelt. Vorher litt sie an Depressionen und starken Minderwertigkeitskomplexen und weigerte sich, das Haus zu verlassen. Heute geht sie zur Shcule und hat Freunde gefunden.

Hinter ihr reiter Alvaro Cadena. AN seinem letzten Schultag hatte er in Quito einen schweren Verkehrsunfall. Als er nach sechs Monaten aus dem Koma erwachte, war er schwer behindert. Er konnte weder sprechen, noch laufen, sich aufsetzen, oder den kopf heben. Siene Eltern waren verzweifelt und hoffnungslos, als die Ärzte ihrem Sohn keinertei Aussicht auf Besserung einräumten. Da bestiegen sie mit ihrem kranken Sohn ein Flugzeug nach Kuba, woman die gleiche Diagnose stellte. Doch Alvaro gelangte zur Sitftung AM-EN und zum Therapeutischen Reiten! Da er nicht auf einem Pferd sitzen konnte, wurde er auf den Rücken gelegt und won zwei Helfern gehalten, während das Pferd sich langsam in Bewegung setzte. Nach einigen Sitzugen konnte Alvaro sich bereits in seinem Rollstuhl hinsetzen und wenige Zeit später war er in der Lage, sich mit Hilfe der Helfer sitzend auf dem Pferderücken zu halten. Dann hob er den Kopf und stand - nach acht Monaten - mit beidseitiger unterstützung zum ersten Mai aufrecht auf den Beinen. Fünf Monate später folgten die ersten Schritte. Inzwischen sind zwei Jahre vergangen und Alvaro ist sogar in zwei Fächrn an der Universität eingeschrieben. Er spricht, kann alleine gehen und ist dank der Hippotherapie in der Lage, ein normales Leben zu führen.

Noch ein Beispiel. Valeria Saenz. Das 16-jährige Mädchen mit den grünen Augen ist von Geburt an motorisch behindert. Ihr Pferd folgt dem Alvaros. Valeria ist sehr intelligent, kann jedoch ihren Rollstuhl nicht verlassen. Dank des Therapeutischen Reitens besserte sich ihr Zustand so weit, dass sie die zuvor unkontrollierten Bewegungen besser beherrscht und deutlicher artikuliert. Immer wieder wiederholt sie in langsamen Worten und mit vor Glück sprühenden Augen: "... los caballos ... son mi .... vida!" (".... die Pferde .... sind mein .... Leben!").

Den Bewegungen behinderter Kinder sind Grenzen gesetzt.

Die Sonderpädagogin und Hippotherapeutin Nathalie Magnenat und der Sonderpädagoge Jean-Luc Brugger gründeten in Cenrnier "Cheval pour Tous". Neben therapeutischem Reiten bieten sie eine grosse Palette weiterer Angebote, die Hippotherapie-K (Rehabilitation durch das Pferd mit einem Physiotherapeuten) oder Ferienaufenthalte für behinderte Menschen.

In Cernier wird auch Reitunterricht erteilt, wobei sich der Ansatz jedoch von dem traditioneller Reitschulen unterscheidet. "Viele Eltern sind von der favrikmässigen Seite des Reitungterrichts enttäuscht, wenn ihre Kinder das Pferd bereits fertig gesattelt und gezäumt übernehmen", erklärt Nathalie magnenat. "Bei A Cheval pour tous stehen die Kommunikation und der Kontakt zum Tier im Vordergund".

Die Schweiz verfügt nur über wenige Hippotherapienzentren, da die Methode unter einem wahren Anerkennungsproblem leidet.

Trotz überzeugender Resultate wird die Hippotherapie weder von den Versicherungen und noch vom Staat anerkannt.

Dieser Umstand macht die Bemühungen derjenigen, die ihr treu bleiben und an sie glauben, umso verdienstvoller.

"Man muss kämpfen und sich tagtäglich neu motivieren, aber was wir hier erleben, ist sehr stark und bewegend!", schliesst Nathalie Magnenat.

Sie könnte sich nicht entsprechend ihres Körpers und ihres Geistes bewegen, wie es andere, "normale", Kinder können. Das Pferd bietet ihnen an Stelle zweier kranker vier gesunde Beine.

Bie vergisst Heide den kleine Pedro, der sich nach einer Reittherapie auf seinem Stuhl aufrichtete und zum ersten Mal in seinem Leben ausfstand. "Nie werde ich den stolzen Blick vergessen,  mit dem er uns zurief: "Mirenme, ahora puedo pararme!" ("Seht, jetzt kann ich aufstehen!").

Seit 1999 wird die Stiftung AM-EN von den Vereinten Nationen in New York im Rahmen eines Schulungsprojektes über den "United Nations Voluntary Fund for Disability" unterstützt. Ziel ist, das therapeutische Reiten auf nationaler und internationaler Ebene als Bais für konventionelle Therapien auszuweiten.

Im Rahmen dieses Programms unterrichtet die Stiftung neben privaten und öffentlichen Institutionen Angehörige der Kavallerie und der berittenen Polizei, die in Südamerika noch verbreitet sind. Sie verfügen über die enforderliche Infrastruktur, haben Pferde und Personal und arbeiten in aufrichtiger Bewunderung mit ihr zusammen. Wech gelungene Umschulung von Pferden und Soldaten einer Institution, die ursprünglich Kriegszwecken diente!

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NEWS

15.02.2007

Neues Voluntärprogramm

VOLUNTÄRPROGRAMM mit Spanischunterricht und Aufenthalt im Dschungel! Sie wohnen in unserem Zentrum im wunderschoenen Tal von Tumbaco, helfen bei Hippotherapie, Physiotherapie u.a. Therapien, lernen dazu den Dschungel kennen und lernen bei Kichwa Indianern ueber natuerliche Medizin und helfen vom aussterben bedrohte Pflanzen und Baeume anzupflanzen und lernen waehrend Ihres Aufethaltes Spanisch! Programm läueft während des ganzen Jahres, aber auch ein spezielles Ferienprogramm von 6 Wochen bis 2 Monaten. Schreiben Sie uns : Heidi Paliz amen@fundacion-amen.org Fotos in "Galerie ----------------------------- Golf Turnier “Franz Beckenbauer Stiftung” in May